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Żydokomuna

Polen 2010, 75 min, dt. UT, 12.90 €   AF028

Seit dem Ersten Weltkrieg gehört die "Żydokomuna" (Judäakommunismus) zu den stabilen Elementen des polnischen Antisemitismus. Als Verschörungstheorem über die vorgeblich jüdische Verwicklung in den Kommunismus hat der Begriff bis zum heutigen Tag eine bemerkenswerte Popularität in vielen gesellschaftlichen Kreisen behalten. Die Auffassung, Juden hätten nach 1945 in Polen das kommunistische System eingeführt und dieses gegen den Willen der Polen an der Macht gehalten, ist allgemein verbreitet. Die „Żydokomuna“ verdeckt bis heute die lange Tradition des polnischen Antisemitismus und verhindert seine Aufarbeitung. Zusammen mit dem regelmäßigen Vergleich von Kommunismus und Nazismus dient er der symbolischen Annullierung der Shoah.

Der Film Żydokomuna beleuchtet erstmalig dieses Kapitel der polnischen Geschichte. In ausgedehnten Gesprächen kommen Zeitzeugen aus kommunistischen und sozialistischen Organisationen zu Wort. Historiker ergänzen die Interviews mit Beiträgen zur Arbeiterbewegung und des Antisemitismus in Polen.

Die Dokumentation "Żydokomuna" ist ein Projekt des Ethnografischen Instituts (Archiwum Etnograficzne) in Warschau. Die Filmemacherinnen verstehen sich mehr als Forscherinnen denn als Dokumentarfilmerinnen. Das engagierte lowbudget-Projekt verdient dennoch höchste Aufmerksamkeit, da ein bisher wenig bekanntes Thema der polnischen Geschichte mit eindrucksvollen Zeitzeugen dokumentiert wird.


Produktion: Archiwum Etnograficzne

Realisation: Anna Zawadzka

 

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